markETman - Marketing und Management Thomas Hofmann
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Bild-Betrachtung

Blut durchströmte Liebe


Unbeachtet von der internationalen Öffentlichkeit - es gab aus Sicht der Medien offensichtlich keine „spektakuläre" Nachricht zu vermelden - hat Papst Benedikt XVI. am 9. Oktober 2011 das Kartäuserkloster Serra San Bruno in Süditalien besucht. Vor den in der Einsamkeit Kalabriens lebenden Söhnen des Hl. Bruno beklagte Papst Benedikt eine „anthropologische Mutation" unserer Tage, die dazu führe, dass „einige Menschen nicht mehr fähig (sind), länger in Stille und Einsamkeit zu verweilen." (Osservatore Romano 42 (2011) Nr. 43,9.) Der Zeitgenosse, so die Diagnose des Papstes, stehe in der Gefahr, sich bleibend zu verändern und den Sensus für Stille und Betrachtung einzubüßen. Warum dies nicht ungefährlich ist bzw. warum der Mensch sich diese Fähigkeit gegen den Trend der Zeit bewahren sollte, begründet der Papst wie folgt.
„Wenn sich der Mensch in die Stille und Einsamkeit zurück -
zieht, setzt er sich in spseiner Nacktheit sozusagen der Wirklichkeit, jener scheinbaren „Leere" aus, um statt dessen die Anwesenheit Gottes, die Fülle der realsten Wirklichkeit, die es geben kann und die jede sinnlich wahrnehmbare Dimension übersteigt, zu erleben." Stille und Einsamkeit setzen also eine Art „Sauna blick" voraus, einen ehrlichen, weil ungeschminkten Blick auf die Nacktheit der eigenen Existenz. Das ist zunächst unangenehm - ich weiß, wovon ich rede! -, aber zutiefst real. Das bedingt freilich auch einen unvoreingenommenen Blick auf den Mitmenschen, wie auch einen Blick „in die Fülle realster Wirklichkeit", in die Nacktheit Gottes in Christus. Und damit stehen wir vor dem Mysterium Natale, dem Geheimnis des Weihnachtsfestes und der nunmehr beginnenden Adventszeit. Gott nimmt in Christus unsere Nacktheit an; umhüllt, wie dies die Skulptur von Giuliano Gaigher zeigt, die Klarheit seiner Existenz (Glas) und die Göttlichkeit seiner selbst (Gold) mit Fleisch und Blut, worauf des Künstlers „Blutstropfen" in der Glasskulptur „Advent" verweist. Gott zeigt sich in Christus, so wie er ist: Vom Blut der Sehnsucht nach dem Menschen durchströmte, von der Glut der Leidenschaft zum Menschen durchpulste Liebe.
Das hat Konsequenzen. „Der Mönch, der alles verlässt, geht sozusagen ein Risiko ein: Er setzt sich der Einsamkeit und Stille aus, um nur vom Wesentlichen zu leben, und gerade dadurch findet er auch zu einer tiefen Gemeinschaft mit den Brüdern, mit jedem Menschen." Ehe Sie nun abwehren und sagen, das ginge nicht Sie, sondern die Mönche an, sei hier vehement vermerkt: Doch! Das geht Sie an! Das geht uns an! Alle. Wenn wir nicht zu lauten und seelenlosen, zeitgeistigen und innerlich ausgebrannten Menschen mutieren wollen, dann bedürfen wir -und zwar jeder Mensch, nicht nur der Mönch! - des Weges in Stille und Einsamkeit, des Sauna blickes auf uns selbst, der uns die Augen für den Nächsten und die Anwesenheit Gottes in unserem Leben zu öffnen vermag. Dazu lädt Sie das vorliegende Programm wiederum ein. Im Blick auf die Gottsucher vor unserer Zeit, in der geistlichen Lesung der Bibel und großer christlicher Meister, im Denken und Schreiben berühmter Literaten, in Kontemplationskursen und im Symposion, das sich diesmal mit dem LIED aller LIEDER, dem alttestamentlichen Lied auseinandersetzen wird. Es liegt an Ihnen auszuwählen. Lesen Sie, wägen Sie ab und dann legen Sie das Programm bitte nicht beiseite, sondern wählen Sie aus! - für sich, für ihr geistliches Leben, das der Nahrung ebenso sehr bedarf, wie Ihr Leib.


Msgr. Dr. Bernhard Kirchgessner

   
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